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Der nachstehende Text ist eine Übersetzung des Langgedichtes "Présentation de la Beauce à Notre Dame de Chartres" von Charles Péguy. Es handelt sich dabei um einen hymnischen Rückblick auf zwei Fußwallfahrten von Paris durch die weite, flache und ländliche Landschaft der Beauce nach Chartres, die Péguy im Juni 1912 unternommen hat, in Erfüllung eines Gelübtes am Krankenbett seines Sohnes. Im Juli 1913 hat er die Wallfahrt wiederholt.
Heute gehen jedes Jahr Tausende Pilger diesen Weg, den Péguy wieder bekannt gemacht hat, insbesondere auf der Internationalen Studentenwallfahrt. Péguy kann zurecht der "Wiederbegründer der Mystik des Weges" (Priol) genannt werden.
Zu seiner Zeit war er als Sozialist, Aktivist für die Rehabilitation von Dreyfus, der katholischen Kirche nahestehender Schriftsteller und Herausgeber der Zeitschrift Cahier de la Quinzaine einflussreich. Auch in Frankreich ist er heute weitgehend vergessen.
Es lohnt sich aber, diesen Text wiederzuentdecken, denn es ist das Pilgergebet und der Hymnus des Pilgerns schlechthin.
Von der Amitié Charles Péguy ist der Weg, angelehnt an den historischen Weg, den Péguy gegangen ist, neu als Pilgerweg gekennzeichnet worden. Eine detailierte Beschreibung mit historischen und biographischen Bezügen findet sich im Buch von Pierre-Yves Le Priol: "En route vers Chartres - Dans les pas de Charles Péguy", Paris, 2016.
Textgrundlage für meine nachstehende Übersetzung war: Charles Péguy: "Morceaux Choisis -Poésie", Paris, 1927, S. 107-119.    

Die Beauce – unserer Lieben Frau von Chartres dargeboten


von Charles Péguy (Übersetzung von Hartmut Sommer ©)  

Sieh doch, Stern des Meeres, wie es lastet auf dem Land
Und das Korn als ein wogendes Meer bis zum Grund
Und der Wind in den Ähren und unsere gefüllten Scheunen,
Sieh, wie dein Blick ruht auf diesem weiten Kleid.  

Und hier ist deine Stimme über dieser behäbigen Ebene
Und unsere Freunde fehlen und unser Herz ist leer,
Sieh, unsere erschlafften Fäuste hängen herab
Und unsere Ermattung und unsere ganze Kraft.  

Stern des Morgens, unnahbare Königin,
Sieh, wir pilgern zu deinem strahlenden Hof.
Und sieh die Ebene unserer kläglichen Liebe,
Und sieh den Ozean unseres unendlichen Schmerzes.  

Ein fernes Schluchzen verklingt hinterm Horizont.
Wenige Dächer rücken zusammen wie ein Archipel.
Vom alten Kirchturm scheint es uns mahnend zu rufen.
Die gedrungene Kirche gibt sich wie ein bescheidenes Haus.  

So halten wir Kurs hin zu deiner Kathedrale.
Dort weit entfernt ein Kranz Strohhaufen,
Rund wie die Türme, opulent und für sich
Wie die Adelsloge auf dem Admiralsschiff.      

Zweitausend Jahre Arbeit haben diese Erde gewandelt
Zum unerschöpflichen Schatz für die kommende Zeit.
Tausend Jahre deiner Gnade haben diese Arbeit
Zum Altar gemacht für die zurückgezogene Seele.  

Du siehst uns pilgern auf direktem Weg,
Abgekämpft, schmutzbespritzt, Regen im Gesicht.
Auf diesem ausgespannten Land, offen allen Winden
Ist die Landstraße unsere schmale Pforte.  

Wir schreiten aus, die Hände gehen mit im Takt,
Ohne jede Technik, ohne unnützen Ballast, schweigend,
mit gleichmäßigem Schritt, ohne Hast und ohne Zögern,
Immer weiter, von diesem Feld zum nächsten voraus.  

Du siehst uns vorwärtsschreiten, wir sind das Fußvolk,
Wir nähern uns nie mehr als einen Schritt zugleich.
Aber zwanzig Jahrhunderte Volk und Könige
Und all ihre Werke und ihr Federvieh.  

Und ihre Federhüte mit ihren Domestiken
Haben den Schulterschluss gelernt
Und wie man marschiert, die Füße fest beschuht,
Zum letzten Gefecht am Abend der Schlacht.  

Wir wurden für Dich geboren am Rande dieses Plateaus,
Wo die helle Loire ihre Schleife zieht.
Und dieser sandige und rumreiche Fluss
Ist allein da, um deinen königlichen Mantel zu küssen.     

Wir wurden geboren am Rande dieses weiten Plateaus,
Im altehrwürdigen Orleans, streng und ernst.
Und die strömende und oft trübe Loire
Ist allein da, um diese Anhöhe zu umspülen.  

Wir wurden geboren am Rande deiner platten Beauce
Und von Kind auf haben wir gekannt
Das Tor des Hofes und die derben Bauern,
Die Umfriedung im Städtchen, den Spaten und das Grab.  

Wir wurden geboren am Rande deiner flachen Beauce
Und haben seit unserer ersten Reue gewusst,
Was unsere geheime Verzweiflung verbergen kann,
Eine Sonne, die sinkt im Scharlachrot des Himmels  

Und die niedergeht auf dem unvergleichlichen Boden
Hart wie ein Urteil, grade wie ein Stab,
Gerecht wie ein Gesetz, umschlossen wie ein Weiher,
Offen wie ein feines Podest, eben wie ein Tisch.  

Jemand von uns, von dieser fruchtbaren Scholle
Hat ihn hier heraufwachsen lassen aus einem Aufbruch
Aus einer Kraft und aus einer Anstrengung
Entlang deiner Himmelfahrt, den einzigartigen Turmspitz.  

Davids Turm in Jerusalem, hier dein Turm in der Beauce.
Die festeste Kornähre, die jemals sich emporgestreckt hat
Zu einem Himmel der Gnade und Heiterkeit,
Und das schönste Prunkstück in deiner Krone.    

Einer von uns hat hier emporwachsen lassen,
Vom Erdengrund bis zum Fuß des Kreuzes,
Höher als alle Heiligen, höher als alle Könige,
Den untadeligen Turmspitz, der nicht fehlgehen kann.  

Das sind Garbe und Korn, die nicht vergehen,
Die nicht verbleichen in der Septembersonne,
Die nicht erfrieren im strengen Dezember,
Das ist dein Diener und das ist dein Zeuge.  

Das sind Halm und Korn, die nicht verderben,
Die nicht vertrocknen in des Sommers Glut,
Die nicht schimmeln im herben Winter,
Die nicht wie alles erstarren im Tod.  

Das ist der Stein ohne Makel und der Stein ohne Fehl,
Ein Gebet das aufsteigt höher als je zuvor,
Der höchste Sinn, der je empor sich streckte,
Und im grenzenlosen Himmel die höchst Linie.  

Jene, die einst keinen Tod sterben wird,
Beweis und Bild unserer Zerknirschung,
Bild und Anhalt unserer Wiederaufrichtung.
Die Wolle und die Spindel der einfachsten Art.  

Wir kommen zu dir aus dem fernen Paris.
Für drei Tage ohne unser Geschäft
Und ohne die Archäologie des Satzbaus
Und die dürftige Sorbonne und ihre armen Kleinen.      

Andere kommen zu dir aus dem fernen Beauvaisis.
Für drei Tage lassen wir Handel und Wandel
Den gewaltigen Lärm und die gigantische Stadt.
Andere kommen zu dir aus dem fernen Cambrésis.  

Wir kommen zu dir aus der Hauptstadt Paris.
Dort ist es, wo wir regiert werden,
Und unsere Zeit verlieren im Wartestand,
Und wo unsere ganze enttäuschende Freiheit ist.  

Wir kommen zu dir von der anderen Lieben Frau,
Die sich erhebt im Zentrum der Stadt,
In ihrer königlichen Robe und ihrer Majestät.
In ihrer Pracht und mit der Wahrheit ihrer Seele.  

Wie du bestimmst über ein Meer von Kornähren,
So bestimmst du dort über ein Meer der Häupter.
Und die Ernte der Trauer und die Ernte der Feiern
Kauern sich jeden Abend vor deinem Kirchplatz.  

Wir kommen zu dir aus dem noblen Hurepoix.
Dies ist ein Beginn der Beauce nach unserem Sinn,
Wo die Felder und Höfe umrahmen dein Bild,
Das allzu oft ein Vorhang des Waldes verdeckt.  

Und allzu oft verdecken dich die tiefen Täler
Für die Yvette und die Bièvere und ihre Anflutung
Und ihre eleganten Schlingen und ihren Lauf,
Und die schönen Schlösser und langen Alleen.   

Andere kommen zu dir aus dem noblen Vermandois,
Und den Hügeln mit Birken und Weiden.
Andere kommen zu dir aus den Palästen und Kerkern,
Und aus der Picardie und dem grünen Vendômois.  

Aber es ist immer Frankreich, ob klein oder sehr groß.
Die Landstriche des guten Korns und der Einfriedungen,
Die Landstriche der Trauben und des rinnenden Wassers,
Die Landstriche des Ginsters, der Erika und der Heide.  

Wir kommen zu dir aus dem fernen Palaiseau
Und der Vorstadt von Orsay über Saint-Clair
Und Gometz-le-Châtel, das kein Schloss ist;
Es ist ein Dorf an der Straße über dem Hang.  

Im Aufstieg über den Hang öffnete sich uns
Die freie Fläche und der Blick auf Gometz-le-Châtel
Oberhalb von Saint-Clair. Es ist keine Stadt;
Es ist ein Dorf an der Straße auf dem Plateau.  

Wir stiegen hinab zur Seite von Limours.
Drei oder vier Gendarmen auf dem Weg
Folgten uns nicht ohne Misstrauen mit dem Blick,
Wie wir die Wegweiser am Kreuzpunkt befragten.  

Wir nahmen Nachtquartier im stillen Dourdan.
Das wohlhabende Städtchen atmet seine Provinz.
Stolz folgten wir, angesehen wie ein Prinz,
Dem Festungswerk am Schlossgraben.      

Im Haus des Freundes, gastlich und brüderlich
Machte man uns das Bett im Zimmer des Sohnes.
Zwanzig Jahre der Erinnerung waren unser Mundschenk.
Das Brot brach uns die mütterliche Hand.  

Unsere ganze Jungend war feierlich zugegen.
Man sprach für uns das Gebet am Tisch.
Vier Jahrhunderte der Ehre und Treue
Wiegten uns in einen Schlaf im Schatten der Ewigkeit.  

Wir kamen daher wie ein fröhlicher Pilger
Und selbst als ein Lebemann und Freund des Reisens
Der hundertdreißig und mehr Länder durchstreift hat
Und es gewöhnt ist unterwegs zu sein.  

Die Bettdecke schimmerte im hellen Schein der Lampe.
Man hat uns den Gemüsegarten gezeigt,
Rankgitter und ein schöner Obstgarten dabei.
So war die Herberge zum Ende der ersten Etappe.  

Der Garten war umschlossen von einer Schleife der Orge.
Eine Wallhecke grenzte zur Rechten an,
Überragt von Zweigen und einem zierlichen Torbogen.
Nach vorne ein Hufschmied, der Ambos und die Werkstatt.  

Vor dem Morgengrauen waren wir wieder auf,
Bereit für den neuen Start nach herzlichem Abschied.
Die Zeit drängte. Doch besser, so sagte man uns,
Stärke man uns noch mit einem Schmorfleisch.      

Weil man doch gehört hat, dass der gute Pilger
Einen kräftigen Schluck verträgt und gutes Essen,
Und dass man nicht knickerig sein muss,
Denn das frühe Aufstehen ist schon genug.  

Den Tag unterwegs während die Sonne höher stieg
Und wir Saint-Mesme und die anderen passierten.
Wir schritten schon vorwärts wie zwei gute Apostel.
Und rechts und links war das, was zählte.  

Wir stiegen wieder auf über Gué de Longoy.
Daher seitdem unser verlangsamter Schritt
Und der Ärger mit der Höhenstufe.
Aber da: die wahre Ebene und das geheime Erschauern  

Uns ganz allein zu finden. Und sieh, der Bauernkarren
Und das Rad und die Rinder und das Joch und die Scheune,
Und überall Staub und zum Ausgleich der Schlamm
Und die Not überall und dazu die immer gleiche Verzweiflung.  

Und sieh, hier erreichen wir die hohe Terrasse
Wo nichts mehr den Menschen vor Gott verbergen kann
Wo keine Täuschung, weder Zeit noch Ort
Uns entziehen kann, Herr, deinem strengen Blick.  

Und hier die prallen Garben und die prallen Bündel.
Und das gehäufelte Korn und unsere Zerknirschung,
Und die Hagelschauer und unsere Entsagungen,
Und der ungeheure Horizont, an dem sich der Blick verliert.  

Und unsere Würde, die unzerstörbare,
Und unsere elende Angst in einem solchen Moment,
Und der wahre Schrecken und die heimliche Pein,
Uns ganz allein vor deinem Angesicht zu finden.    

Aber hier das bist du, würdevolle Königin.
Wie konnten wir uns täuschen lassen
Auf dem Weg zu dir und dich nicht sehen.
Wir, das immer gedankenverlorene Volk.  

Das Land ist flacher als der flachste Tisch.
Kaum eine Vertiefung im Boden, kaum eine leichte Falte.
Das ist der Tisch des Richters, das ist die Endgültigkeit,
Der Halt ohne Anruf und die natürliche Ordnung.  

Das ist das Urteil im unüberholbaren Text,
Und das volle Maß und das erfüllte Schicksal,
Und das ist das gleichförmige Leben und das der verborgene Mensch,
Und das ist der Herold und das ist das furchtbare Siegel.  

Aber du hast dich gezeigt, geheimnisvolle Königin.
Die Spitze dort hinten über dem Saum
Der reifen Felder und der Wälder, im Flimmern
Des äußersten Horizonts, das ist keine Steineiche mehr,  

Und kein austauschbarer Umriss irgendeines Baumes.
Das ist schon am entferntesten, niedrigsten und höchsten,
Bestimmt wie die Hoffnung auf der letzten Steigung,
Auf der letzten Anhöhe, der unnachahmliche Turmspitz.    

Von hier bis zu dir, oh Königin, ist nur noch Straße.
Was wir erblicken, ist das gelungene Werk anderer.
Du hast deinen Rum und wir den unseren.
Keine Wegzehrung mehr, nichts zu beißen.  

Wir wissen, dass es die letzte Etappe ist, die anschließt
an die schon bewältigten und dass jeder Kilometer,
Auf die Hacken geht und geschafft werden muss:
Heute Abend werden wir die Brücke und den Bogen passieren.  

Und der tiefe Wallgraben folgt der Stadtmauer.
Wir schreiten aus in den Windstößen der Autos,
Wo keine Gegend ist für schöne Fotos,
Die Straße kahl und unwirtlich sich erstreckt.  

Es hat uns gut vorwärtsgetragen seit dem Aufbruch.
Heute Abend werden wir zwei Schritt von dir Herberge nehmen,
In dem alten Gasthaus, wo wir für 40 Sous
Schlafen werden unter deinem erhabenen Turm.  

Wir werden so erschöpft sein, dass wir nur schauen,
In einem Sessel, der beim Fenster steht,
Abgekämpft durch und durch und bis ins Mark,
Mit ermüdetem und erstauntem Blick,  

Und mit den Brauen hochgezogen bis zur Stirn,
Die einmalige Schrägung,
Und die einzigartige aufragende Linie,
Und ganz ermattet werden wir staunen.    

Sieh die Achse und die Linie und die gigantische Blume.
Sieh die scharfe Neigung, wie sie uns freut,
Sieh die Exaktheit, wie sie uns einnimmt,
Und die bittere Träne, oh Königin der Schmerzen.   

Sieh die Nacktheit, der Rest ist Umkleidung,
Sieh die Umkleidung, der ganze Rest ist Schmuck.
Sieh die Reinheit, der ganze Rest ist Schmutz.
Sieh die Armut, der Rest ist Ornament.  

Sieh die einzige Kraft und der Rest ist Schwäche.
Sieh den einzigartigen Berggrat und der Rest ist Mut.
 Und den einzigartigen Edelmut und der Rest ist Müll.
Und die einzigartige Größe und der Rest ist Niedertracht.  

Sieh den einzigartigen Glauben, der kein Meineid ist.
Sieh den einzigartigen Elan, der sich zu erheben weiß.
Sieh den einzigen Moment, der es wert ist.
Sieh das Wort, das endet und immer bleibt.  

Sieh das Monument, der Rest ist Imitation.
Und sieh unsere Liebe und unser Verständnis.
Und unsere Haltung und unsere Gelassenheit.
Und nichts von Spitze und exakter Bordüre.  

Sieh den ehrlichen Schwur, der Rest ist Unehrlichkeit.
Sieh den einmaligen Preis unserer Trennung.
Den Lohn entrichtet für unser Standhalten.
Sieh die Wahrheit, der Rest ist Betrug.    

Sieh das Firmament, der Rest ist belanglos.
Und vor dem Gericht sieh die Korrektur.
Und vor dem Paradies sieh die Vollendung.
Und das Blatt aus Stein mit exakter Gravur.  

Wir wenden angewurzelt sein im Stuhl aus Stroh.
Und wir werden nichts hören und wir werden nichts sehen
Vom Lärm der Stimmen und Schritte
Vom harmlosen Gelage unten im Saal.  

Weder vom Wagen der Händler am Markttag.
Noch vom gespielten Zorn und dem Gellen der Flüche:
Denn wir werden bewundern und meditieren
Mit einem tiefen Erfassen den makellosen Turmspitz.  

Wir bemerken nicht unseren selbstvergessenen Blick,
Weder Hunger noch Durst noch unsere Entsagungen,
Weder unsere steifen Knie, noch unser Grübeln,
Noch unsere erschlafften, steifen Beine. 
 
Verschollen im Zimmer dieser Herberge,
Werden wir nicht hinuntergehen zur Essenszeit,
Und wir werden nicht hören und nicht sehen
Die Stadt, die deinem Altar zu Füßen liegt.  

Wenn die Sonne am nächsten Morgen hochsteigt
Werden wir in einem hellen Dämmerlicht erwachen,
Im Schatten der beiden Arme deiner Kathedrale,
Glücklich und unglücklich und ermattet vom Weg.   

Wir kommen zu dir im Gebet für den armen Jungen,
Der so töricht im Sterben in diesem Jahr,
Fast in der Woche und an dem Tag
der Geburt deines Sohnes auf Stroh und Spreu. 

Oh Jungfrau, er war nicht der schlimmste der Horde.
Nur sein junger Harnisch war schadhaft.
Doch der Tod, der uns folgte und nachspürte
Entschwand durch die Wunde, die er gerissen hatte.  

Er wurde uns geboren in unserer Gâtinais.
Er begann den Weg, wo wir umkehrten.
Alle Tage waren sein und alles, was uns entschwand.
So ist es doch er, den du erwählt hast.  

Oh Tod, besiegt an einem ersten Grab.
Er folge unseren eigenen Schritten.
Aber das Fehlen einer einzigen der Ängste
Ließ den Tod auf andere Wege gehen.  

Und sieh dort inmitten deiner Herrschaft.
Bist du Königin und Mutter und wirst es zeigen.
Er hatte ein reines Herz. Du wirst ihn einlassen
Unter deinen Schirm und deine milde Huld.  

Oh Königin, die das Geheimnis der Herzen liest.
Du weißt, was Leben und Tod bedeutet.
Und du weißt also, in welchem geheimen Schicksal
Die List des Treibers sich bindet und löst.    

Und du weißt also, in welcher Stimmlage des Chores
Der Einklang sich herstellt oder verliert.
Und das, was Raum und Rodung braucht
Für den Lauf der Meute des Pikörs.  

Und du weißt also, in welchem Hafenbecken
Sich eine edle Entrückung vorbereitet und vollzieht,
Und durch welches Spiel und welche Entscheidung
Bedeutende Hilfe sich entzieht oder einstellt.   

Und du weißt also, welche Schwertschneide
Das Entsetzen bringt oder wegnimmt,
Und durch welche Hilfe und welchen Ausgleich
Die Waagschalen sich heben oder senken.  

Und das, was den Spötter zügeln kann,
Und das, was Kraft und Vereinigung fordert
Um in einem einzigen Streich zu wandeln
Den unglücklich Besiegten in einen glücklichen Sieger.  

Sieh also ihn, Mutter, der von unserer Art ist,
Und in zwanzig Jahren unser Nachfolger.
Königin, nimm ihn auf in deine Huld,
Wo der Tod vorbeiging, kehrt Gnade ein.  

Wir werden zurückkehren auf demselben Weg,
Es wird dieselbe weite Ebene sein ohne Schutz.
Das Schloss ohne Winkel und Verließ,
Und die Erde geprägt wie ein perfektes Pergament.    

Und nunc et in hora bitten wir dich für uns,
Die wir größere Toren sind als der arme Junge,
Und sicher weniger rein und weniger unter deinem Schirm,
Und weniger zugewandt deinem heiligen Schoß.  

Wenn wir unsere letzte Rolle gespielt haben,
Wenn wir Umhang und Mantel zurückgehängt haben.
Wenn wir Maske und Messer hingeworfen haben.
Erinnere dich bitte an unsere lange Wallfahrt.  

Wenn wir zurückkehren auf diese kalte Erde,
Wie sie dem ersten Adam übergeben wurde,
Königin von Saint-Chéron, Saint-Arnould und Dourdan,
Erinnert Euch bitte an diesen einsamen Gang.  

Wenn man uns wirft in die enge Grube,
Wenn man über uns das Gebet spricht und die Messe feiert,
Erinnere dich bitte, Königin der Verheißung,
Unseres langen Weges in der Beauce.  

Wenn wir diesen Rucksack und den Gürtel ablegen,
Wenn wir erzittern in unserem letzten Erzittern,
Wenn wir röcheln unser letztes Röcheln,
Erinnere dich bitte deiner Barmherzigkeit.  

Wir fordern nichts, du Zuflucht des Sünders,
Als den letzten Platz in deinem Purgatorium,
Um unsere tragische Geschichte lange zu beweinen,
Und deinen jugendlichen Glanz von Ferne zu bewundern.